200 Kilo Körperfülle: Darf Ihnen der Arbeitgeber deshalb kündigen?
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Bild: Anton Mukhin / shutterstock.com

 

Dem Gärtner Hartmut H. (49) wurde gekündigt, weil er zu dick für seinen Job war. Sein Arbeitgeber argumentierte, dass der 200 Kilo schwere Mann seine Arbeiten nicht mehr ordnungsgemäß ausführen konnte: Er passte weder hinter das Lenkrad des Firmenwagens, noch gab es passende Arbeitskleidung oder tragfähige Leitern für ihn. Unter­nehmen und Arbeit­nehmer verein­barten vor dem Landes­ar­beits­ge­richt in Düsseldorf schlussendlich einen Vergleich: Der Gärtner muss sich bemühen, abzunehmen und die Firma regelmäßig über sein Gewicht infor­mieren. Ob es rechtlich möglich ist, seinem Arbeitnehmer wegen zu hohem Körpergewicht zu kündigen, lesen Sie im Folgenden.

 

Nach 30 Jahren im Garten- und Kanal­bau­be­trieb hatte der Arbeit­geber dem 49-Jährigen Hartmut H. gekündigt. «Wenn er über ein frisch verlegtes Straßenpflaster läuft, verschiebt sich das. Vor allem das Bücken ist bei ihm ein Problem.» Die Körperfülle des Gärtners betreffe auch die Fürsorge­pflicht des Arbeit­gebers: «Darf ich ihn in seinem Zustand in praller Sonne zu harter körperlicher Arbeit aussetzen?»

Zuvor hatte der Gärtner erfolglos in einem Adipo­si­tas­zentrum versucht, Gewicht zu verlieren. Die Mediziner dort hätten gesagt, ohne eine Operation komme man in diesem Fall nicht weiter.

Die Richterin wies darauf hin, dass viel von der Prognose abhänge. Sei diese negativ, sei dem Unter­nehmen kaum zuzumuten, den Mann noch 18 Jahre bis zur Rente zu beschäftigen: «Eine dauer­hafte Erkrankung ist letztlich ein Problem des Arbeit­nehmers.» Notfalls müsse ein Gutachter klären, ob er einge­setzt werden könne. Eine Magen­ver­klei­nerung wollte das Gericht nicht vorschreiben.

 

 

 

Ab wann sind Sie zu dick für Ihren Job?

 

Grundsätzlich können Sie wegen Fettleibigkeit nicht gekündigt werden, sondern erst, wenn Sie die vertraglich vereinbarte Arbeitsleistung nicht mehr erbringen können. Eine Kündigung erfolgt auch, wenn die sogenannte Adipositas zu Krankheiten mit hohen Ausfallzeiten führt!

Gegen solch eine Kündigung hilft eine positive Gesundheitsprognose durch einen Arzt. Im Falle eines negativen Gutachtens ist eine Kündigung zulässig, weil dem Arbeitgeber die betrieblichen und wirtschaftlichen Belastungen nicht zumutbar sind.

 

 

 

Vorschreiben einer Kleidergröße?

 

Eine bestimmte Kleiderordnung darf Ihr Arbeitgeber festlegen, eine Konfektionsgröße jedoch nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei Models.

Bei einer Stellenausschreibung ist es dem Arbeitgeber möglich, einen schlanken Mitarbeiter zu suchen, sofern dies eine Bedeutung für den Job hat (z.B. Verkauf von Schlankheitsprodukten). In diesem Fall würde keine Diskriminierung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz vorliegen! Bei bestimmten Arbeitsverhältnissen darf Ihr Arbeitgeber auch auf Ihre Fitness achten (Beispiel Feuerwehr oder BademeisterIn).

Wichtig: Im Bewerbungsgespräch müssen Sie nur wahrheitsgemäß antworten, wenn Ihr Gewicht direkt mit Ihren Arbeitsleistungen zu tun hat!

 

 

 

Kündigungsfrist, -form und -arten

 

Sie können nach Zugang der Kündigung innerhalb von drei Wochen beim Arbeitsgericht eine Kündigungsschutzklage einreichen. Versäumen Sie diese Frist, gilt die Kündigung als rechtswirksam. Außerdem muss eine Kündigung schriftlich erfolgen! Andernfalls ist sie unwirksam und das Arbeitsverhältnis nicht beendet.

Es gibt grundsätzlich vier Kündigungsarten:

  • die betriebliche: Rationalisierung/Fusion/Auftragsmangel zwingen den Chef zu Entlassungen
  • die krankheitsbedingte: Sie können weder in absehbarer Zeit noch auf Dauer Ihre Arbeitsleistung erbringen
  • die verhaltensbedingte: Vorsätzliches, fahrlässiges Handeln (unentschuldigtes Fehlen/Krankenandrohung/Geheimnisverrat) führen zum Rausschmiss
  • die personenbedingte: Fachlich ungeeignet, außer Dienst straffällig geworden, Lohnpfändungen und fehlende Arbeitserlaubnis sind hier Gründe für eine Kündigung 

 

 

 

Freie Entscheidung bei betrieblicher Kündigung?

 

Der Arbeitgeber muss bei betrieblichen Kündigungen eine Sozialauswahl vornehmen. Er darf dem Arbeitnehmer kündigen, der am wenigsten sozial schutzbedürftig ist. Bei der Auswahl muss er die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das AlterUnterhaltspflichten und – wenn gegeben – die Schwerbehinderung des Arbeitnehmers ausreichend berücksichtigen!

 

 

 

Was ist eine Änderungskündigung?

 

Hier kündigt Ihr Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis, bietet Ihnen aber gleichzeitig an, es unter anderen Bedingungen fortzusetzen. Wie bei jeder anderen Kündigung muss ein sachlicher Grund gegeben sein, um die Kündigung sozial zu rechtfertigen. Andernfalls ist sie unwirksam. Sie können durch die Kündigungsschutzklage überprüfen lassen, ob ein solcher sachlicher Grund vorliegt.

 

 

 

Welche gesetzliche Grundkündigungsfrist gilt?

 

Gesetzlich kann Ihr Arbeitsverhältnis mit einer Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats gekündigt werden. Sie und Ihr Arbeitgeber können im Arbeitsvertrag aber auch längere Kündigungsfristen und weiter reichende Kündigungstermine vereinbaren.

 

 

 

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