Bild: Elpisterra / shutterstock.com; Cineberg / shutterstock.com
Für Arbeitnehmer von AirBerlin und dem Warenhauskonzern Kaufhof wird es hart: Mehr als 20.000 Mitarbeitern drohen Kündigung und massive Lohnkürzungen.

Nach der Insolvenz der Airline trennt man sich bis Ende diesen Monats vom gesamten Bodenpersonal. Ebenso wenig rosig sieht es für Kaufhof-Mitarbeiter aus: Der Warenhauskonzern kürzt kurz vor dem satten Weihnachtsgeschäft Löhne und streicht Sonderzahlungen.

Ob Insolvenz oder anhaltende Negativtendenz beim stationären Einzelhandel: Die Leidtragenden sind sowohl bei AirBerlin, als auch bei Kaufhof allein die Mitarbeiter. Was betroffene Arbeitnehmer bei drohender Kündigung und Lohnkürzungen tun sollten, erfahren Sie bei uns!

Kündigung: AirBerlin entlässt gesamtes Boden- und Verwaltungspersonal zum 31.10.2017!

Turbulente Zeiten für die Fluggesellschaft AirBerlin. Nach wochenlangem, kräftezehrenden Insolvenz-Nachrichten und dem letzten Hilferuf der Mitarbeiter durch den sog. Sick-out, kommt nun eine neue Hiobsbotschaft. Der Betriebsrat von AirBerlin kündigte an, dass das gesamte Bodenpersonal bis zum Monatsende di Kündigung erhalten würde. Schätzungsweise 1.400 Mitarbeiter von AirBerlin sind davon betroffen.

Betroffen von der Massenentlassung: Airline legt Betrieb bis Februar 2018 still!

Der Betriebsrat bereitet die betreffenden 1.400 Mitarbeiter nun auf den Eingang der Kündigung zu Ende Oktober vor. Bis Ende Februar 2018 folgt dann die Kündigung weiterer Mitarbeiter, die aber zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebs bis dann noch benötigt werden. Die restlichen Mitarbeiter werden zum jetzigen Stand vermutlich freigestellt. Die Pleite-Airline nahm zu diesen Maßnahmen bislang nicht Stellung.

— Planmäßig soll es zur vollständigen Einstellung des Flugbetriebs von AirBerlin kommen. Lediglich aufrechterhalten wird der operative Service der Töchter Niki und LGW. Zu beiden hat auch die Lufthansa bereits ein Kaufgebot abgegeben.

Streichung von 1.200 Vollzeitstellen droht — und dann?

Das Flugpersonal muss bislang keine Kündigung fürchten, unter der Fahne der Eurowings geht der Flugbetrieb weiter. Dennoch droht auch 1.200 Vollzeitbeschäftigten die Stellenstreichung. Möglich wäre hier eine Weiterbeschäftigung innerhalb der Ethiad Airways Partners Group. Doch Lohnkürzungen und die Unsicherheit des eigenen Arbeitsplatzes machen Angestellten der Airline schwer zu schaffen.

AirBerlin verwies auf die etwa 80% der Beschäftigten, die von den Erwerbern — womöglich — übernommen würden.

Lohnkürzung und gestrichene Sonderzahlung: Kaufhof Mitarbeiter mit schlechtem Los!

Bei Deutschlands führendem Warenhauskonzern Kaufhof machte man die anhaltende Negativtendenz des stationären Einzelhandels sowie die enorme Wettbewerbsverzerrung für die aktuellen Maßnahmen verantwortlich. Gefordert wird ein wettbewerbsfähiger Tarifvertrag, der einen ebenso fairen Wettbewerb für die Galeria Kaufhof ermöglicht, heißt es.

Beschäftigungssicherungstarifvertrag in Planung – Kaufhof kürzt Personalkosten!

Ein sog. Beschäftigungssicherungstarifvertrag bedeutet im Klartext für die 21.000 betroffenen Arbeitnehmer: Verzicht auf Gehaltserhöhung sowie Teile ihres Urlaubs- und Weihnachtsgelds, oder: Sonderzahlungen. Im Gegenzug garantiert die Galeria Kaufhof die Sicherung des Arbeitsplatzes über einen mehrjährigen Zeitraum hinweg. Das Opfer der Arbeitnehmer: Weniger Geld und Verzicht für eine sichere Stelle. Umgekehrt setzt der Warenhauskonzern allerdings neben einem strikten Kostenmanagement auf Investitionen in seine Filialen und den Ausbau des Online-Geschäfts.

 

Betroffen von der Kündigung? Diese 11 Fakten sollten Arbeitnehmer kennen!

Arbeitgeber pleite: Was die Insolvenz des Betriebs für Arbeitnehmer bedeutet!

Bei der Pleite-Airline AirBerlin sollte sich aufgrund der heißen Berichterstattung wohl schon länger angekündigt haben, dass es firmeninterne Finanzprobleme gibt. Kündigung wegen Insolvenz des Arbeitgebers — wir haben das Wichtigste auf einen Blick zusammengefasst.

  • Überprüfen Sie als Arbeitnehmer monatlichen die Vollständigkeit Ihres Gehalts oder Ihrer Lohnabrechnung
  • Ist Ihr Gehalt nicht vollständig, können Sie dem Arbeitgeber eine Forderungsaufstellung zukommen lassen — Bitten auf Lohnverzicht ist für Arbeitnehmer keine empfehlenswerte Option!
  • Bei Insolvenz kann eine Kündigung nur fristgemäß ausgesprochen werden, allerdings ist die Kündigungsfrist in diesem Fall auf höchstens drei Monate verkürzt (§ 113 InsO)
  • Achtung: Mit Eintritt in die Insolvenz ist gemäß Kündigungsschutzgesetz nicht automatisch eine Kündigung bedingt
  • Umgekehrt haben auch Sie als Arbeitnehmer das Recht ordentlich oder außerordentlich z.B. bei erheblichem Kündigungsgrund (bspw. das Ausbleiben der Lohnzahlung) zu kündigen
  • Bei Betriebsübergang oder Neuordnung im Insolvenzverfahren bleibt die Weiterbeschäftigung grundsätzlich gesichert — Lohnkürzungen oder gar Lohnstreichungen sind nicht möglich
  • Eine Kündigungsschutzklage ist im Falle der Insolvenz an den Insolvenzverwalter zu richten, nicht an den Arbeitgeber — auch hier gelten die üblichen drei Wochen zur Klageerhebung gem. § 4 KSchG, ab Zugang der Kündigung

Arbeitgeber kürzt den Lohn: Was Lohnkürzung und Streichung von Sonderzahlungen für Arbeitnehmer bedeutet!

Grundsätzlich stellt die Lohnkürzung eine Vertragsverletzung dar, sofern im Arbeitsvertrag oder in Vertragsergänzungen Stundenlohn, Wochenlohn oder Monatslohn vereinbart und festgehalten sind. Arbeitnehmer haben hier das recht nicht gezahlten Lohn einzuklagen. — In Kürze: was Arbeitnehmer bei Lohnkürzung wissen sollten.

  • Handelt es sich bei Ihrer Lohnkürzung um eine befristete Kürzung? Dann sollten Sie dies unbedingt schriftlich festhalten. Es ist erforderlich, dass fixiert wird, dass Sie nicht dauerhaft Ihren Anspruch auf Ihr vollständiges Gehalt aufgeben
  • Gemäß einer Entscheidung des LAG Rheinland-Pfalz (AZ: 5 Sa 715/07) ist auch bei mündlicher Vereinbarung einer Lohnkürzung noch Monate danach eine Forderung auf Nachzahlung Ihrerseits möglich
  • Wenn Sie einer Lohnkürzung zur Sicherung Ihres Arbeitsplatzes zustimmen, lassen Sie einen veränderten Arbeitsvertrag unbedingt anwaltlich prüfen
  • Stimmen Sie dem Beschäftigungssicherungstarifvertrag nicht zu, sollten Sie unbedingt monatliche Lohnzahlungen überprüfen, ohne Einwilligung ist eine Lohnkürzung rechtswiderig

Sie haben Fragen zum Arbeitsrecht oder sind betroffen von einer Kündigung?

Unser erfahrenes Team von Rechtsanwälten für Arbeitsrecht hilft Ihnen gerne weiter! Sie sind betroffen von den Massenentlassungen bei AirBerlin und sehen als Bodenpersonal Ihrer Kündigung entgegen?

Oder haben Sie einer Lohnkürzung als Mitarbeiter der Galeria Kaufhof zuzustimmen und einen Verzicht auf Sonderzahlungen zu unterschreiben, um Ihre Stelle zu sichern?

Dann helfen wir von der Kanzlei Mingers & Kreuzer Ihnen weiter! Wir kämpfen für Ihr Recht und setzen uns für Sie gegen Ihren Arbeitgeber zur Wehr. Rufen Sie uns an unter der 02461 / 80 81 oder schreiben Sie an die info@mingers-kreuzer.de und senden Ihren Arbeitsvertrag zur Prüfung bei uns ein: Wir bewerten Ihre Chancen innerhalb weniger Tage und beraten Sie zu möglichen, rechtlichen Schritten.